Geschichte der Maigesellschaft

Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass die erstmalige Gründung der Maigesellschaft Koslar-Engelsdorf im Jahre 1857 stattgefunden haben soll. Bei einer erneuten Recherche im Jahre 1992 wurde im Stadtarchiv Jülich durch ein bislang uneingesehenes Band des Jahres 1855 dargelegt, dass die Maigesellschaft bereits 1855 als Koslarer Junggesellenverein seine Maikirmes am 20. bis 22. Mai gefeiert hat. Dadurch ist belegt, dass die Maigesellschaft spätestens 1855 ins Leben gerufen wurde. Allerdings wurden bei Überprüfungen vorheriger Jahrgänge bereits hieb- und stichfeste Hinweise auf einen frühere Existenz der Gesellschaft gefunden. So wurde letztmalig 1837 eine Koslarer Kirmes am 7. und 8. Mai 1837, dem Wochenende nach Christi Himmelfahrt, laut Mitteilung im"Kreis Jülicher Correspondenz- und Wochenblatt" angekündigt.

 

Dies wirft freilich auch die Frage auf, ob nicht die Koslarer Schützenbruderschaft anstelle der Maigesellschaft dieses Fest gefeiert haben könnte. Doch anhand des Archivmaterials kann dargelegt werden, dass die Schützen einen anderen festen Termin für ihr Fest hatten. Zudem wurde die Koslarer Maikirmes in all den Jahren immer am Wochenende nach Christi Himmelfahrt gefeiert. Die war bereits 1855, dem bisherigen geglaubten Gründungsjahr 1857 oder später nach Beendigung der Weltkriege so.

 

Vor dem Jahre 1837 wurden keine weiteren Hinweise auf ein Bestehen der Maigesellschaft gefunden. Allerdings war erst in den dreißiger Jahren des vorletzten Jahrhunderts möglich in den Jülicher Zeitungen Anzeigen zu schalten, weswegen es durchaus vorstellbar ist, dass die Maigesellschaft Koslar-Engelsdorf noch früher gegründet wurde.

 

Als Ausgangspunkt für alle Jubiläen wurde aber das Jahr 1857 als Gründungsjahr angenommen.

Die Anfangsjahre

Wie bereits oben angeführt, wird die Koslarer Maikirmes immer am Wochenende nach Christi Himmelfahrt gefeiert. So lud zum ersten Mal, dokumentiert durch eine Anzeige im "Correspondenz-Blatt" (Vorgänger der Rurblumen sowie der Volkszeitung), Gastwirt Joseph Schmitz zu zwei Tanzveranstaltungen am 7. und 8. Mai 1837 ein, um das "Coslarer Maifest" zu feiern.

 

1855 fand das Maifest an drei Tagen im Saal "auf'm Berg" beim Gastwirt Hennes statt - Veranstalter war der Junggesellenverein bzw. die Maigesellschaft. Zudem lud auch der Wirt Anton Niederhoven zur Koslarer Frühkirmes ein. Auch im geführten Gründungsjahr 1857 warben diese beiden Wirte für getrennte Veranstaltungen in ihren Sälen.

 

Im Jahre 1861 gibt es zum ersten Mal Hinweise auf einen Umzug der Maigesellschaft. Aus einer Anzeige ist zu erkennen, dass der Treffpunkt beim Gastwirt Joseph Hennes war. Aus der Tatsache, dass des öfteren mehrere Wirte für ihre Veranstaltung warben, kann davon ausgegangen werden, dass die Koslarer Frühkirmes der Maigesellschaft eine positive Resonanz im Dorf hatte. Dies belegt auch der einmalige Versuch der Koslarer Schützenbruderschaft 1868 ihre Spätkirmes auf den Termin der Frühkirmes zu verlegen.

 

Einen Aufschwung kann man an der Größe der Zeitungsinserate in den Jahren nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erkennen. Mit dem Aufstellen des Maibaumes, einem Konzert, einer Festversammlung, Umzüge, einem Festball und dem Königsball mit großer Polonaise, bot man den Gästen ein umfangreiches Programm. Außerdem spielte im Saal Nacken an allen Tagen die Kapelle "Budell" zum Tanz auf.

 

Im Jahre 1899 wurde neben der Maikirmes auch für die Maiversteigerung in der Nacht auf den 1. Mai geworben. Dieser Termin ist bis in die Neuzeit traditionell geblieben.

Die Jahre 1900 bis 1932

Ursprünglich war das Maifest ein Frühlingsfest, mit dem der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt wurde. Als Bestätigung für den Frühling wurde dann ein junger Baum mit dem ersten Grün in der Ortsmitte aufgestellt. Alleine der Dorfjugend blieb es überlassen, dass Maifest im Wonnemonat Mai zu feiern. Vor den Feierlichkeiten wurde aus der Mitte der unverheirateten Männer eine bestimmte Zahl gewählt, die das Maifest organisierten und die Gesellschaft repräsentierten - sie bildeten den Vorstand.

 

Die Junggesellen versammelten sich dann in der Maienzeit, um bei der Versteigerung der Maibräute ihren Maischatz zu erwerben. Mithin galt damals der "Erwerb des Maischatzes" als eine Art Liebeserklärung. Dies ist um so besser zu verstehen, wenn man bedenkt, dass viele Maipaare den Bund fürs Leben geschlossen haben.

 

Im Jahre 1903 ist erstmals mit Josef Hubert Meurer und Maria Petronella Heep ein Königspaar namentlich überliefert. Erwähnenswert ist hierbei, dass in der Folgezeit auch die drei Schwestern der Maikönigin von 1903 selber Königinnen wurden. Überliefert wir, dass die jungen Damen sehr hübsch waren und bei der Versteigerung hohe Preise erzielten.

 

Die Maigesellschaft Koslar-Engelsdorf in diesem Dorfverbund bestand nicht immer. So wurde 1903 in Engelsdorf eine selbstständige Maigesellschaft gegründet, die ihre Kirmes in der Regel am selben Termin wie in Koslar feierte. Allerdings gab es dort nicht regelmäßig ein Königspaar.

 

Die Maigesellschaft bestand ab 1910 nur als Fußballverein, der als Maigesellschaft die Kirmes organisierte. Nach der Aufgabe des Fußballvereins im Jahre 1927 wurde auch die Engelsdorfer Maigesellschaft aufgelöst.

 

Aus dem Jahre 1913 stammt ein erstes Foto der Maigesellschaft. Das Königspaar bildeten Arnold Merschen und Katharina Dreßen.

 

Im Jahre 1914 feierte die Maigesellschaft ihr letztes Maifest vor dem ersten Weltkrieg. Aufgrund der Kriegseinwirkungen gibt es hierzu keine Unterlagen. Viele Mitglieder der Maigesellschaft, die 1914 noch am Maifest teilnahmen, mußten im Krieg ihr Leben lassen.

 

Doch trotz dieser schweren Zeit, wurde die Maigesellschaft nach einer vierjährigen Pause 1919 wieder gegründet. Präsident war Heinrich Gatzweiler und das Königspaar bildeten Andreas Hürtgen und Luise Hintzen. Auch in den Folgejahren konnte die Mitgliederzahl aufs Neue gesteigert werden. Die Jahrgänge, die nicht in den Krieg ziehen mußten, sorgten für diesen Anstieg, der der Pflege des Maibrauchtums zugute kam.

 

Neben den Kriegen war natürlich auch die Weltwirtschaftskrise der Zwanziger Jahre für das Fortbestehen der Maigesellschaft Koslar problematisch. So konnte 1928 und 1929 aufgrund der wirtschaftlichen Krise keine Maikirmes stattfinden.

 

Allerdings erlebte 1930 das Maibrauchtum in Koslar einen enormen Aufschwung. Es versammelten sich 135 Junggesellen um die Gesellschaft zu gründen. In diesem Jahr wurde auch ein konkurrierender Maiklub gegründet, der allerdings keinen großen Zulauf in der Koslarer Bevölkerung fand und nur ein Jahr existierte.

Die Jahre 1933 bis 1945

Schon im Jahr 1933 verfügten die neuen Machthaber vor Ort, dass die Gesellschaft lediglich dann ihre Kirmes feiern durfte, wenn das Königspaar auch am Maiumzug teilnahm. Dieser Umzug wurde von der NSDAP organisiert. Man versuchte den Tag der Arbeit als Instrument zur Beteiligung am Dorfleben einzusetzen. Oberflächlich konnten die Ortsgruppenleiter ihren Vorgesetzten sicherlich erfolgreiche Umzüge melden, doch die innere Ablehnung war vorhanden.

 

Die Nationalsozialisten feierten in ihren Umzügen sich selbst, die Toten des Ersten Weltkrieges und den Mai als Wonnemonat. Wohl kaum jemand empfand dieses Feiern und den sich anschließenden Ball jemals als wahre Wonne. Der Vorstand der Maigesellschaft versuchte nicht, sich diesen "Gesetzen" zu erwehren, waren doch die Folgen nach einem Widerstand bekannt. Die Nazis selber setzten eine eigene Königin ein, die den Zug begleitete - eine sogenannte Blumenkönigin. Das Maifest änderte sich nicht. Trotzdem hatte die Partei ihre Finger als Puls des Maibrauchtums.

 

Das Brauchtum litt enorm unter der ständigen Unterdrückung. Doch die Statuten wurden weiter als Richtlinie betrachtet. Sie mußten eben nur geschickt der Situation angepaßt werden. Eine Militärkapelle und Fackeln ließen den Aufmarsch zum 1. Mai in den Jahren 1933 zu einem immer größeren Spektakel werden.

 

1936 war die Maigesellschaft auf der Suche nach einem König. Normalerweise hätte man noch einige Zeit die Suche fortführen können, allerdings mußte man ja am 1. Mai ein Königspaar am Umzug teilnehmen lassen. Auf einer Vorstandsversammlung in der Nacht zum 1. Mai, vor der Versteigerung, erklärte sich Josef Thelen schließlich bereit, gemeinsam mit seiner Freundin Agnes Heggen, dass Königspaar zu bilden. Leider machte sich aber bei Agnes Heggen eine Erkrankung bemerkbar und der Arzt diagnostizierte eine Mittelohrentzündung, weswegen das Paar am 1. Mai nicht am Umzug teilnehmen konnte. Als Ersatz nahm deswegen das Königspaar von 1933 - Jahann Gerhards und Anna Hochhausen - teil. Für das Königspaar gab es zudem auch keine Maikirmes, da Josef Thelen am 15. Mai 1936 vom Bezirkskommando einberufen wurde.

 

1938 wurde zum letzten Mal vor dem Krieg eine Maikirmes gefeiert. Fast alle jungen Männer wurden 1939 zum Wehrdienst einberufen. Es war also kaum mehr jemand anwesend, der eine Gesellschaft hätte gründen können. So fand zwar eine Gründungsversammlung statt, allerdings keine Maikirmes. Letzter Präsident vor dem Kriegsausbruch war Josef Bergheim. Viele Maibrüder der Gesellschaft, die im Kampf um ihre Heimat hinausgezogen waren, mußten ihr Leben auf dem Schlachtfeld lassen oder blieben in der Fremde zurück.

Nachkriegszeit

Trotz der schwierigen Zeit und der großen Trauer durch den Tod von Freunden und Angehörigen fand man den Mut, 1946 den Neubeginn zu wagen. Durch Willen und Einsatzbereitschaft ging man zu Werke unser Dorf wiederaufzubauen. 42 Jungesellen aus Koslar und Engelsdorf waren es im Jahre 1946, die in der Gaststätte Nacken die Maigesellschaft Koslar-Engelsdorf erneut ins Leben riefen. Angeführt von Daniel Heinen, der Bruchstücke von alten Statuten über die Kriegsjahre gerettet hatte, wurde die erste Versammlung eröffnet.

 

Unter Leitung von Präsident Daniel Heinen waren auf Anhieb 13 Junggesellen bereit als Vorstandsmitglied die Gesellschaft zu führen. Zunächst wurden neue Statuten aufgestellt, damit die Richtlinien für die Gesellschaft der neuen Zeit angepaßt waren. Die maßgeblichen Satzungen der Gesellschaft, die bis heute fast unverändert ihre Gültigkeit haben, wurden vom späteren Präsidenten Willi Felder erstellt und von der Gesellschaft beschlossen. Die Gesellschaft hatte also den Krieg, aus Sicht der Tradition, gut überstanden.

 

Erstes Königspaar nach dem Krieg wurde August Heinrichs mit Anneliese Pickartz. Außerdem nahmen jetzt auch die Engelsdorfer Junggesellen wieder an der Koslarer Maikirmes teil. Dadurch wurden auf der Maiversteigerung jetzt auch wieder die unverheirateten Engelsdorferinnen zwischen 16 und 30 Jahren mitversteigert. Nach kleineren Anfangsstreitigkeiten um den Veranstaltungsort mußte der Oberkreisdirektor die Angelegenheiten schlichten. Der damalige Saalwirt Peter Oellers wollte seinen leicht zerstörten Saal nicht zur Verfügung stellen, dennoch ging die Maikirmes ohne weitere Problem über die Bühne und so waren es 1946 am Ende 89 Maibrüder als Maibrüder aktiv.

 

Ein Jahr später konnte die Mitgliederzahl auf knapp 120 Maibrüder gesteigert werden, wobei die Möglichkeiten der Gesellschaft nicht sehr groß waren. So mußten viele Materialien mit Fahrrädern aus der Dürener Gegend besorgt werden. Zudem mußten zahlreiche Anträge bei den Behörden der Britischen Besatzungszone, zu der Jülich gehörte, ausgefüllt und beantragt werden.

 

1948 sollte es erstmals in der Geschichte der Koslarer Maigesellschaft zwei Maibäume geben. So wurde nun auch in Engelsdorf ein Baum aufgestellt. Von den 135 Mitgliedern der Gesellschaft, der Rekordmitgliederzahl, die bis heute nicht mehr erreicht wurde, waren knapp 20 junge Männer aus Engelsdorf. Außerdem wurde in diesem Jahr zum letzten Mal mit Reichmark abgerechnet. Die Währungsreform und die Gründung der BRD stellten die Junggesellen vor neue wirtschaftliche Probleme. Die Einnahmen gingen 1949 erheblich zurück, was sich aber bekanntlich bereits schon wenige Jahre durch den Nachkriegswirtschaftsboom ändern sollte.

Neuzeit

Nach der Schließung des Saales Oellers wurden die Maifeste für viele Jahre im Saal Bergheim abgehalten. Durch die steigenden Kosten und die zunehmende ablehnende Haltung des Festwirtes bei der Zuschußgewährung, entschloß sich der Vorstand 1974 kurzerhand die Maikirmes in einem Festzelt abzuhalten. Obwohl das Zelt doppelt so viele Plätze wie der Saal Bergheim bot, platzte das Zelt am Kirmessamstag aus allen Nähten. Deshalb wurde das Zelt auch in der Folgezeit beibehalten.

 

Das Maifest 1976 war ein Jubiläumsfest, denn man feierte 30 Jahre Maigesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Maikönigspaar bildeten der leider viel zu früh verstorbene Franz Wolff und Edith Niessen. Dies war auch das letzte Maifest in einem Festzelt, da es nach der Fertigstellung der Koslarer Bürgerhalle der Maigesellschaft von der Stadt Jülich zur Auflage gemacht wurde, die Maikirmes ab nun an in der Bürgerhalle zu feiern.

 

So fanden ab 1977 bis heute alle Maifeste in der Bürgerhalle statt.

 

Das Jahr 1982 wurde zu einem Meilenstein in der Geschichte der Maigesellschaft. Nach der damaligen Kenntnis wurde in diesem Jahr das 125jährige Bestehen der Maigesellschaft Koslar-Engelsdorf gefeiert (1837 bis 1982). Das Jubiläumsjahr mit dem Königspaar Helene Thouet und Peter Wagner sollte der Gesellschaft für die nächsten Jahre eine gute wirtschaftliche Basis als Grundlage bereitstellen.

 

Auch heute, gute 20 Jahre später, sehen wir für die Zukunft des Maibrauchtums keine Probleme. So konnten nach vielen Jahren wieder Engelsdorfer Junggesellen für den Vorstand, und mit Marcell Dekena 2000 sogar ein Maikönig, gefunden werden.

 

Um auch das junge Publikum an die Tradition des Maibrauchtums heranzuführen entschloss sich der Vorstand aus dem Jahre 2000, neben den üblichen Veranstaltungen erstmals in diesem Jahr eine Disco unter dem Motto "Last-Mai-Day-Party" durchzuführen. Der Termin wurde kurzerhand auf den Mittwoch vor Maikirmes gelegt, um den Ablauf der eigentlichen Kirmes nicht zu stören. Trotz einigen Skeptikern aus Reihen des Vorstandes beschloss man auch diesen Termin in den traditionellen Kirmesterminplan als festen Bestandteil aufzunehmen.

Vielen Dank

Wir möchten uns im Namen der Maigesellschaft Koslar-Engelsdorf bei denjenigen Leuten bedanken, die die Vergangenheit und die Geschichte der Gesellschaft durchleuchtet haben und uns dieses Material zur Verfügung gestellt haben. Teilweise wurden Auszüge aus dem Buch "Der Mai ist gekommen" von Thomas Bellartz sowie aus der Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Gesellschaft verwendet.